Prozesskosten im Einkauf: Der versteckte Kostenfaktor in Unternehmen

Prozesskosten im Einkauf: Der versteckte Kostenfaktor in Unternehmen

von Anna Ullmann am Jun 10, 2026


Beschaffung & Einkauf

Warum viele Unternehmen beim Artikelpreis sparen, aber die eigentlichen Kosten im Beschaffungsprozess übersehen.

Was sind Prozesskosten im Einkauf?

Prozesskosten sind alle Kosten, die während eines Beschaffungsvorgangs entstehen. Sie umfassen nicht den eigentlichen Warenwert eines Produkts, sondern den Aufwand für Bestellung, Genehmigung, Lieferung und Rechnungsbearbeitung.

Viele Unternehmen konzentrieren sich beim Einkauf ausschließlich auf den Artikelpreis. Tatsächlich entstehen jedoch häufig deutlich höhere Kosten durch interne Abläufe.

Beispiel: Eine scheinbar günstige Bestellung

Ein Mitarbeiter benötigt einen Kugelschreiber für 3 Euro.

Der eigentliche Beschaffungsprozess umfasst jedoch häufig deutlich mehr Schritte:

  • Bedarf feststellen
  • Produkt suchen
  • Lieferanten auswählen
  • Bestellung auslösen
  • Genehmigung einholen
  • Wareneingang prüfen
  • Rechnung bearbeiten
  • Zahlung durchführen

Der Verwaltungsaufwand kann schnell ein Vielfaches des eigentlichen Warenwertes kosten.

Welche Prozesskosten entstehen bei einer Bestellung?

Personalaufwand

Mitarbeiter investieren Zeit in:

  • Produktsuche
  • Preisvergleiche
  • Rückfragen
  • Genehmigungen
  • Rechnungsprüfung

Systemkosten

  • ERP-Systeme
  • Einkaufssysteme
  • Buchhaltungssoftware
  • Dokumentenverwaltung

Kommunikationsaufwand

Jede E-Mail, jeder Anruf und jede Rückfrage verursacht zusätzliche Kosten und bindet Arbeitszeit.

Lieferantenmanagement

Je mehr Lieferanten verwaltet werden müssen, desto höher ist der organisatorische Aufwand.

Warum werden Prozesskosten häufig unterschätzt?

Der Artikelpreis ist direkt sichtbar. Prozesskosten verteilen sich dagegen auf verschiedene Abteilungen und erscheinen selten gesammelt in einer Kostenstelle.

  • Einkauf
  • Fachabteilungen
  • Buchhaltung
  • Wareneingang
  • Management

Dadurch bleiben sie oft verborgen, obwohl sie einen erheblichen Anteil der Gesamtkosten ausmachen.

Welche Bestellungen verursachen besonders hohe Prozesskosten?

Besonders häufig betrifft dies sogenannte C-Artikel. Der Warenwert ist gering, die Anzahl der Bestellungen jedoch hoch.

Kopierpapier Kugelschreiber Notizblöcke Toilettenpapier Papierhandtücher Reinigungsmittel Kaffee

Wie lassen sich Prozesskosten senken?

Lieferanten bündeln

Weniger Rechnungen, weniger Bestellungen und weniger Stammdatenpflege.

Kernsortimente definieren

Standardisierte Produkte reduzieren Suchaufwand und Fehlbestellungen.

Digitale Beschaffung

Preislisten, Freigaben, Bestellhistorien und feste Sortimente beschleunigen den Einkauf.

Bestellungen bündeln

Sammelbestellungen reduzieren die Anzahl einzelner Beschaffungsvorgänge.

Warum der günstigste Artikel nicht immer die günstigste Lösung ist

Viele Unternehmen sparen bei einem Produkt wenige Cent und verursachen gleichzeitig hohe interne Prozesskosten.

Ein etwas höherer Artikelpreis kann wirtschaftlicher sein, wenn dadurch:

  • weniger Bestellungen nötig sind
  • Prozesse vereinfacht werden
  • Mitarbeitende Zeit sparen
  • weniger Rechnungen entstehen

Entscheidend sind die Gesamtkosten der Beschaffung und nicht ausschließlich der Preis auf dem Angebot.

Fazit

Prozesskosten gehören zu den größten versteckten Kostentreibern im Einkauf. Besonders bei häufig benötigten C-Artikeln übersteigen die internen Aufwände oft den eigentlichen Warenwert.

Unternehmen, die Lieferanten bündeln, Kernsortimente definieren und digitale Bestellprozesse nutzen, können ihre Beschaffung deutlich effizienter gestalten und langfristig Kosten sparen.

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