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Arbeitsstättenverordnung im Büro: Pflichten und praktische Checkliste
Arbeitsstättenverordnung im Büro: Pflichten und praktische Checkliste
von Anna Ullmann am Jan 09, 2026Arbeitsstättenverordnung im Büro: Pflichten und praktische Checkliste
Arbeitgeber müssen Arbeitsstätten so einrichten und betreiben, dass Gefährdungen möglichst vermieden werden. Ausgangspunkt ist die dokumentierte Gefährdungsbeurteilung. Die Arbeitsstättenverordnung legt Schutzziele fest, die Technischen Regeln für Arbeitsstätten konkretisieren deren Umsetzung.
Arbeitsstättenverordnung und ASR richtig einordnen
Die ArbStättV enthält Anforderungen an das Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten. Dazu gehören Arbeitsräume, Bildschirmarbeitsplätze, Verkehrswege, Fluchtwege, Sanitärräume und Pausenbereiche. Arbeitgeber müssen Gefährdungen fachkundig beurteilen, geeignete Maßnahmen festlegen und die Beurteilung vor Aufnahme der Tätigkeit dokumentieren.
Wichtig: Ein einzelnes Produkt macht einen Arbeitsplatz nicht automatisch rechtskonform. Raum, Tätigkeit, Arbeitsmittel und Organisation müssen gemeinsam beurteilt werden. Werden die veröffentlichten ASR eingehalten, greift grundsätzlich die Vermutungswirkung nach § 3a ArbStättV. Andere Lösungen sind möglich, wenn sie ein gleichwertiges Schutzniveau erreichen.
Die zentralen Pflichten für Büroarbeitsplätze
Gefährdungsbeurteilung
Physische und psychische Belastungen müssen berücksichtigt werden. Bei Bildschirmarbeit gehören auch Belastungen der Augen und mögliche Gefährdungen des Sehvermögens dazu.
Geeignete Räume
Grundfläche, lichte Höhe, Bewegungsflächen und Verkehrswege müssen zur Nutzung, Möblierung und Zahl der Beschäftigten passen. Pauschale Quadratmeterangaben ersetzen keine Raumprüfung.
Licht und Sichtverhältnisse
Arbeitsplätze benötigen geeignete Beleuchtung. Tageslicht, Sichtverbindung nach außen sowie Schutz vor Blendung und störenden Reflexionen sind abhängig von Raum und Tätigkeit zu berücksichtigen.
Klima und Lüftung
Während der Nutzung muss gesundheitlich zuträgliche Atemluft vorhanden sein. Raumtemperatur, Sonneneinstrahlung, Lüftung und mögliche Zugluft werden im betrieblichen Zusammenhang bewertet.
Bildschirmarbeit
Bildschirm, Eingabemittel, Arbeitsfläche und Software müssen zur Aufgabe passen. Regelmäßig stationär genutzte Notebooks brauchen eine Gestaltung, die eine geeignete Körperhaltung und Bedienung ermöglicht.
Sicherheit und Organisation
Fluchtwege und Notausgänge müssen nutzbar bleiben. Sicherheitseinrichtungen, Erste Hilfe, Reinigung, Instandhaltung und Unterweisungen sind dauerhaft zu organisieren.
Welche Technischen Regeln sind im Büro häufig relevant?
| Regelwerk | Thema | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| ASR A1.2 | Raumabmessungen und Bewegungsflächen | Arbeitsfläche, Möblierung, Bewegungsraum und Raumbelegung prüfen |
| ASR A1.3 | Sicherheitskennzeichnung | Rettungszeichen, Brandschutzzeichen und Erste Hilfe kennzeichnen |
| ASR A1.8 | Verkehrswege | Wege, Türen, Treppen und Zugänge sicher planen |
| ASR A2.2 und A2.3 | Brandschutz sowie Fluchtwege | Brandschutzorganisation, Notausgänge und Fluchtwege festlegen |
| ASR A3.4 | Beleuchtung und Sichtverbindung | Beleuchtungsstärke, Blendung, Tageslicht und Sichtverhältnisse bewerten |
| ASR A3.5 und A3.6 | Raumtemperatur und Lüftung | Temperatur, Sonnenschutz, Luftqualität und Lüftung beurteilen |
| ASR A4.1 und A4.2 | Sanitärräume und Pausenräume | Toiletten, Waschgelegenheiten und Pausenbereiche planen |
| ASR A6 | Bildschirmarbeit | Bildschirmgeräte, Eingabemittel, Möbel und Arbeitsorganisation gestalten |
Planungswerte richtig anwenden
Technische Regeln enthalten konkrete Maße und Werte. Diese beziehen sich jeweils auf einen definierten Anwendungsfall. Für Büroarbeitsräume nennt die ASR A1.2 beispielsweise einen Flächenbedarf von mindestens 8 m² für den ersten Arbeitsplatz und mindestens 6 m² für jeden weiteren Arbeitsplatz. Für Großraumbüros wird wegen zusätzlicher Verkehrswege und Störwirkungen häufig mit 12 bis 15 m² je Arbeitsplatz geplant.
Auch Werte zu Beleuchtungsstärke, Bewegungsfläche oder Fluchtwegbreite dürfen nicht isoliert gelesen werden. Tätigkeit, Personenzahl, Möblierung, Türen und mögliche Einschränkungen verändern die konkrete Bewertung. Bei Fluchtwegen ist die erforderliche lichte Breite unter anderem vom Einzugsgebiet abhängig.
Für die Büroplanung: Nutzen Sie Maße als Startpunkt für die Planung und gleichen Sie diese anschließend mit der aktuellen Fassung der jeweiligen ASR sowie der Gefährdungsbeurteilung ab.
Barrierefreiheit bei beschäftigten Menschen mit Behinderungen
Nach § 3a Absatz 2 ArbStättV müssen Arbeitgeber die besonderen Belange beschäftigter Menschen mit Behinderungen berücksichtigen. Das betrifft unter anderem Arbeitsplätze, Türen, Verkehrswege, Fluchtwege, Sanitärbereiche und Orientierungssysteme. Die ASR V3a.2 konkretisiert diese Anforderungen abhängig von der jeweiligen Einschränkung.
Eine pauschale Türbreite oder ein höhenverstellbarer Tisch allein reichen für eine barrierefreie Arbeitsstätte nicht aus. Je nach Bedarf können Bewegungsflächen, schwellenlose Wege, kontrastreiche Kennzeichnungen, akustische Informationen oder individuelle Bedienhöhen erforderlich sein.
Checkliste für Arbeitgeber
- Gefährdungsbeurteilung vor Tätigkeitsbeginn erstellen und dokumentieren.
- Arbeitsräume samt Möblierung und Bewegungsflächen bewerten.
- Bildschirme so positionieren, dass Blendung und Reflexionen reduziert werden.
- Arbeitsfläche, Stuhl und Eingabemittel an Tätigkeit und Person anpassen.
- Beleuchtung, Raumtemperatur und Lüftung regelmäßig prüfen.
- Verkehrswege und Fluchtwege dauerhaft freihalten.
- Erste Hilfe, Brandschutz und Sicherheitskennzeichnung organisieren.
- Sanitärbereiche hygienisch betreiben und Verbrauchsmaterial sichern.
- Beschäftigte vor Arbeitsbeginn und danach mindestens jährlich unterweisen.
- Beurteilung bei Umbauten, neuen Geräten oder veränderter Organisation aktualisieren.
Homeoffice, Telearbeit und mobiles Arbeiten
Die Begriffe werden rechtlich unterschiedlich behandelt. Ein Telearbeitsplatz im Sinne der ArbStättV setzt eine Vereinbarung und einen vom Arbeitgeber fest eingerichteten Bildschirmarbeitsplatz im Privatbereich voraus. Für ihn gelten die in § 1 Absatz 4 genannten Vorschriften. Mobiles Arbeiten ist nicht automatisch Telearbeit. Unabhängig von der Bezeichnung bleiben weitere Pflichten aus dem Arbeitsschutzrecht relevant.
Produkte zur ergonomischen Anpassung
Diese Produkte können bei einer fachlich geplanten Anpassung helfen. Sie ersetzen weder die Gefährdungsbeurteilung noch die Prüfung des gesamten Arbeitsplatzes.

Notebook
Leitz Laptopständer Ergo Cosy
Hebt das Notebookdisplay an. Für längere Bildschirmarbeit sollten zusätzlich geeignete externe Eingabemittel geprüft werden.
28,32 €
Produkt ansehen
Monitorposition
Fellowes Reflex Doppel Monitorarm
Ermöglicht die getrennte Positionierung von zwei Monitoren und schafft zusätzliche Fläche auf dem Tisch.
85,47 €
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Bildschirmhöhe
Fellowes Designer Suites Monitorständer
Eine einfache Möglichkeit, einen Monitor höher zu positionieren. Die passende Höhe muss individuell geprüft werden.
36,06 €
Produkt ansehenHäufige Fehler bei der Umsetzung
- Allgemeine Richtwerte werden ohne Gefährdungsbeurteilung als starre Rechtsgrenze behandelt.
- Ein höhenverstellbarer Tisch wird gekauft, während Bildschirm, Licht oder Bewegungsfläche ungeprüft bleiben.
- Fluchtwege werden im Alltag durch Kartons, Möbel oder Geräte eingeengt.
- Unterweisungen erfolgen nur bei der Einstellung und werden später nicht wiederholt.
- Veränderungen durch Desksharing, neue Technik oder Umbauten werden nicht neu bewertet.
Büroarbeitsplätze fachlich planen
WIEPA unterstützt Unternehmen in Wiesbaden und im Rhein Main Gebiet bei Arbeitsplatzanalyse, Möbelauswahl und ergonomischer Einrichtung. Die rechtliche Gefährdungsbeurteilung bleibt Aufgabe des Arbeitgebers und der zuständigen Fachpersonen.
Häufige Fragen zur Arbeitsstättenverordnung
Wie viel Platz ist pro Büroarbeitsplatz vorgeschrieben?
Die erforderliche Fläche hängt von Raum, Möblierung, Bewegungsflächen, Verkehrswegen und Nutzung ab. Die ASR A1.2 enthält konkrete Vorgaben und Planungswerte. Eine einzelne Quadratmeterzahl reicht für die Bewertung nicht aus.
Ist ein höhenverstellbarer Schreibtisch gesetzlich vorgeschrieben?
Die ArbStättV schreibt nicht pauschal für jeden Büroplatz einen elektrisch höhenverstellbaren Tisch vor. Der Arbeitsplatz muss jedoch sicher und ergonomisch gestaltet sein. Welche Lösung erforderlich ist, ergibt sich aus Tätigkeit und Gefährdungsbeurteilung.
Muss ein Büro Tageslicht haben?
Die ArbStättV verlangt grundsätzlich ausreichend Tageslicht und eine Sichtverbindung nach außen. Für bestimmte Räume und betriebliche Situationen bestehen Ausnahmen, die im konkreten Fall geprüft werden müssen.
Wie oft müssen Beschäftigte unterwiesen werden?
Vor Aufnahme der Tätigkeit und danach mindestens einmal jährlich. Bei wesentlichen Änderungen mit zusätzlichen Gefährdungen ist die Unterweisung unverzüglich zu wiederholen.
Gilt die Arbeitsstättenverordnung auch im Homeoffice?
Für Telearbeitsplätze gelten die in § 1 Absatz 4 ArbStättV genannten Vorschriften. Mobiles Arbeiten muss davon unterschieden werden. Weitere arbeitsschutzrechtliche Pflichten können unabhängig davon bestehen.
Offizielle Quellen
- Arbeitsstättenverordnung beim Bundesministerium der Justiz
- Technische Regeln für Arbeitsstätten bei der BAuA
Stand der redaktionellen Prüfung: August 2026. Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung oder betriebliche Gefährdungsbeurteilung.